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Oldies, Jets und Helikopter tanzten Samba am Westerwald-Himmel
01.10.2008 20:15:00
Großflugtag: Mehr als 10.000 Besucher erlebten Spannung, Rasanz und Nervenkitzel in Breitscheid
© Jörg Langer
Und die Publikumsresonanz gab den Organisatoren um Stefan und Jupp Langer Recht. Die Nachfrage nach derartigen Luftfahrt-Events ist ungebrochen, wie die Besucher-Heerscharen, die sich am sonntäglichen „Großkampftag“ auf den Ort des Geschehens zu bewegten, bewiesen. Der Publikumsaufmarsch glich einer Völkerwanderung. Und: Enttäuscht worden sein mag wohl niemand. Jung und Alt, Groß und Klein trafen auf Flugzeuge und Piloten zum Anfassen.
Senkrechtstarter als VorauskommandoBereits zum inoffiziellen Auftakt am Freitagabend hatten annähernd tausend Zaungäste die eintreffenden Maschinen willkommen geheißen. Im Zentrum des Interesses standen dabei natürlich der Düsen getriebenen Sea-Harrier GR7 der Royal Air Force, der mit ohrenbetäubendem Lärm über die Wipfel brauste, die mächtige „Transall“ der Bundesluftwaffe und der ehemalige US-Weltkriegs II-Bomber vom Typ B-25. Zum Flugplatzfest am Samstag; das mit einem herrlichen Ballonglühen ausklang, kamen bereits 5. 000 Gäste. Und der Andrang am Sonntag sollte dann alle Erwartungen der Veranstalter in den Schatten stellen. „Faszination Fliegen pur“ – Spannung, Rasanz und Nervenkitzel inklusive. Eine mit aeronautischen Bonbons prall gefüllte Wundertüte.
Fliegende Eichhörner waren die Attraktion Mit der Douglas AD 4 „Skyrider“ hatten die Veranstalter kurzfristig noch eine weitere Attraktion aufbieten können. Der satte Sound dieses mit 2700 PS wohl stärksten kolbengetrieben einmotorigen Flugzeugs der Welt, das, weil es früher auf Flugzeugträgern der US-Navy stationiert war, die Tragflächen hochklappen kann, wird nur noch von dem unverwechselbaren Motorenklang der North American T-6 übertroffen. Von diesem wuchtigen, aber extrem wendigen ehemaligen US-Trainer waren gleich vier Maschinen am Start und formierten sich am Himmel zu einem eindrucksvollen Quartett. Auf diesen Typ setzen seit Jahren auch Walter und Toni Eichhorn, deren Formationskunstflug mit diesen Mustern wohl einmalig in Europa ist. Vater und Sohn zauberten mit ungemeiner Präzision und Virtuosität ihre Choreografie in den Sonnen-Himmel und ließen den staunenden Zuschauern den Atem stocken.
Mit Jet-Power und auf den Flügeln des WindesÄhnliche Reaktionen riefen auch die übrigen ins Programm eingebundenen Aerobatic-Piloten hervor, ob das nun u.a. Marc Mathis mit seiner „giftigen“ P-51 „Mustang“, dem schnellsten US-Jäger des zweiten Weltkriegs, oder Andy Wild mit der YAK 55 waren. Sie und viele weitere Kollegen, ob nun am Steuerknüppel einer YAK 52, einer winzigen Pitts-Special oder einer Pilatus P 2, gaben dem Publikum Anschauungsunterricht in der hohen Schule des Kunstflugs. Etwas behäbiger, aber nichtsdestotrotz ebenso sehenswert die gute alte „Tante JU“, die eigens aus der Schweiz heran gebrummt war und die pausenlos mir Rundflugpassagieren an Bord am Westerwälder Himmel ihre Kreise zog.
Jet-Power steuerten Guido Killing mit seinem zweisitzigen Italiener SIAI S 211 und Walter Eichhorn bei, der zwischendurch mal schnell das Pferd wechselte und seiner L-29 „Delfin“ die Sporen gab. Samba unter den Wolken tanzten vier schnucklige „Bücker Jungmann“, während zwei Boeing Stearman die Familie der (offenen) Doppeldecker komplettierten. Und Ralf „Macho“ Niebergall durfte mit seiner schnittigen SIAI Marchetti natürlich auch nicht fehlen. Martina Kirchberg unterstrich mit ihrer Swift S 1, warum sie zur ersten Garnitur des europäischen Segelkunstflugs zählt, während Detlef Klimetzki mit der A 350 demonstrierte, zu welchen „unmöglichen“ Flug- und Wendemanövern ein moderner Hubschrauber imstande ist.
Der Erfolg und die Besucherresonanz dürfte die gastgebende LSG, die mehrere Hundert Helfer vor und hinter den Kulissen aufgeboten hatte, dazu bewegen, spätestens in zwei Jahren eine Neuauflage zu starten. Denn: Eine bessere (und schönere) Werbung für Luftfahrt und Luftsport ist schwer vorstellbar. JÜRGEN HEIMANN

